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Kritik: RemembeRING

Sobald man den Raum betritt fällt einem sofort die große verstellbare Projektionsleinwand ins Auge, auf welcher schwarz-weiß Fotos verschiedener Personen, Orte und Gegenstände zu sehen sind. Hinter der Leinwand steht ein gedeckter Tisch und neben ihr liegt ein Tennisschläger mit Bällen. Jeder dieser Gegenstände verdeutlicht eine Ebene des Theaterstücks. Auf dem Boden der Bühne ist ein weißes Quadrat abgegrenzt, auf welchem bunte geometrische Formen gezeichnet sind. Die Schauspielerin bewegt sich während des ganzen Stückes nur in diesem Bereich. Es gibt zwei Darstellerinnen, wobei eine von ihnen nur auf den Projektionen zu sehen ist und immer wieder verschiedene Rollen annimmt.

In „RemembeRING“ erzählt Liora Hilb die Geschichte ihrer Großmutter, einer deutschen Jüdin, die zur Zeit des Nationalsozialismus gelebt hat und unter den Folgen des Holocausts zu leiden hatte. Nach ihrem Tod im Konzentrationslager Ausschwitz gelangt ein Ring, der ehemals ihr gehörte, zu der Familie ihres Sohnes in Tel Aviv und wirft damit für die damals kleine Liora viele Fragen auf. Doch bei ihrer Recherche stößt sie nur auf Verleugnung und Schweigen. Im Stück spekuliert sie über die Geschichten, die der Ring miterlebt hat. Sie zeigt dabei auch den Alltag in der Shoa.

Dramatische Lichteffekte trennen die Szenen klar. Tonaufnahmen, die teilweise auch provokante Thesen in sich bergen, lassen den Zuschauer über die Bedeutung des Stückes nachdenken. „RemembeRING“ ist nicht nur ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, sondern stellt auch Bezüge zu aktuellen Problematiken wie der Flüchtlingskrise her. Es prangert auch die Diskriminierung der Ausländer in Deutschland an und vergleicht dies mit den Geschehnissen der Shoa, wirkt dabei jedoch nie moralisch. Das Theaterstück fordert Akzeptanz und Toleranz gegenüber allen Religionen, was auch zu einer angeregten Diskussion in der Nachbesprechung führte.

 

Genja Slavina - Pirckheimer-Gymnasium