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Kritik: Hestnes/Popovic - "There Is A Noise"

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Ergreifend und direkt: „THERE IS A NOISE“ – „Da ist ein Rauschen“
Ein Stück in englischer Sprache am Gostner Hoftheater.
Auszüge aus einem Tagebuch um 1945, Kriegsgeschichten eines Kindes auf der Flucht zur Zeit des Bosnien-Krieges und selbstgemachte Waffeln – nur ein an der Oberfläche kratzender Einblick in die ergreifenden Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart, in welche Freya Sif Hestnes und Marina Popović das Publikum mitnehmen.
Das von den beiden Performerinnen geschaffene Stück, puzzelt sich aus Einträgen des Tagebuchs der Großmutter um 1945, sowie persönlichen Erinnerungen, Eindrücken und Emotionen aller Art zusammen. Es werden die letzten Tage des zweiten Weltkrieges, Momente aus Sarajewo zur Zeit des Bosnien-Krieges in den 90ern und die anschließende Flucht nach Norwegen thematisiert. All das mit Sinneseindrücken jeglicher Art.
Beim Betreten des Schauorts kommt man in einen düsteren Raum. Das einzig Beleuchtete: Eine Kriegslandschaft aus Plastikfiguren, aufgebaut auf einem großen Tisch. All das wirkt erstmal einschüchternd und ein wenig erdrückend, bis einem der zur Stimmung äußerst kontrovers beitragende Geruch von warmen Waffeln in die Nase steigt. Die Zuschauenden setzen sich mit den zwei Performerinnen um das Kriegsfeld-Szenario und werden Zeugen des Dialogs der Beiden. Doch als man sich gerade an eine erstaunlich heimelige Atmosphäre durch die Waffeln und das lockere Gespräch zwischen ihnen gewöhnt hat, gibt es einen eindrucksvollen Bruch der sowohl die Stimmung als auch den Raum wortwörtlich zum Beben bringt.
Es werden mithilfe von Gerüchen, Emotionen sowie Sachlichkeit, mit Licht und Schatten, mit Geräuschen und Stille beeindruckende Bilder für den Zuschauer erzeugt, welche einen durch das Stück begleiten und das Publikum mitfühlen lassen.
Alles in allem ein Stück, welches nicht nur Eindruck hinterlässt, sondern auch zum Nachdenken anregt. Ursprünglich gar nicht absichtlich für junges Publikum konzipiert, ist es jedoch sehr wohl als Stück für sowohl Jugendliche ab
ca. 13 Jahren als auch Erwachsene bis ins hohe Alter geeignet. Gerade für die junge Generation perfekt, um einen Einblick in die Vergangenheit zu erhaschen, mit Fragen, die jedoch genauso auf Gegenwart und Zukunft, besonders aber auch in das momentane Weltgeschehen passen.
Von Anna Weinhold, Willstätter Gymnasium Nürnberg